CD Kritik: Money Boy - Swagger Rap




    Vor dem 21. August kannte ihn nur ein Haufen eingefleischter Rapfans und Forensuchtis, mittlerweile ist er in aller Munde: „Mister Money Boy ist im Haus-Haus“ und halb Rapdeutschland redet über den 28-jährigen Wiener. Das hat mehrere Gründe: Das damals erschienene Debut-Tape, die anfänglichen Videobotschaften bzw. low-quality Video-Raps durch Money Boy selber und der anschließende Foren-Hype. „Swagger Rap“ – so nennt der Geldjunge sein Outcoming per Free-Download. Aber wie gerechtfertigt ist dieser Hype und was ist überhaupt Swag?

    Die behutsame Einführung beginnt also und Money Boy dreht den Swag auf, kurz nachdem er aufgestanden ist, uns mit seinem „Swag angespritzt hat“ (no homo natürlich!), und sich der Hörer dadurch gleich schon im Intro den ersten Lachanfall abholt, ehe dann die Bombe zum Platzen gebracht wird. Denn Dreh den Swag auf ist das große Highlight dieses Mixtapes. Soulja Boys „Turn my swag on“ wird einfach mal auf Deutsch übersetzt und Money Boy kreischt einem, mit der Hook des Jahres, und einer absolut gesangstalentfreien Stimme die Ohren zu. Wer denkt, schon darin das angesprochene Highlight gehört zu haben, der hat Sebastian Meisinger noch nicht rappen gehört: eine simple Punchline jagt die nächste, wobei die Reime mindestens genau so lustig wie simpel sind.

    „Oh mein Gott, ich bin so am Block/deine Mutter kommt vorbei und sie blowed den Cock!“, „Oh – oh, Swagger on a zillion/ich bin geil und ficke ein paar Bitches aus Brasilien.“ Wer nur niveauvollen Rap mit Sinn und Verstand hören will, ist bei Money Boy also fehl am Platz. Hier geht es um Geld, Autos, übertriebene Selbstdarstellung, saufen/Party, sinnlose Beschimpfungen und natürlich Austrian Girls. Wer allerdings eine fette Ladung Entertainment will, kommt an diesem Tape definitiv nicht vorbei, denn der Wiener klatscht einem 14 Tracks mitten ins Gesicht und steckt jeden mit seinem Swag-Kino an, das einen auf eine derartig komische Art und Weise erfrischt, wie man es bis dato nur in absolut lächerlichen Nackte-Kanone Streifen gewohnt war – die waren zwar ordentlich blöd, aber lachen musste man trotzdem.

    Aber was hat es mit diesem „Swag“ denn auf sich? Es ist nicht wirklich ein Rapstil, auch nicht die Beats oder irgendein Image und bestimmt keine Texte. Nein - es ist alles zusammen, den Swag muss man fühlen und Money Boy lässt uns alle mitfühlen, denn es bedarf nach diesem Tape auch keiner Erklärungen mehr, man weiß einfach was gemeint ist. Den großen Einfallsreichtum und etwas „Neues“ hört man auf Swagger Rap nicht, zumindest nicht beim ersten Mal durchhören.

    Doch in einer Zeit, in der es im Deutschrap scheinbar schon alles gegeben hat, ist Money Boy der große Entdecker, Swaggerrap – das ist neu! Und das scheint auch der einzige Grund sein zu können, weshalb er innerhalb von kürzester Zeit so bekannt wurde: Die Gefahr, sich derartig zu blamieren und als Szenecasper unterzugehen, nahm der Mann einfach auf sich und wurde belohnt. Welcher Rapper würde sich denn sonst noch trauen, einfach englische Songtitel und Texte auf Deutsch zu übersetzen, irgendwelche Punchlines von bekannten deutschen Rapgrößen zu übernehmen, und bei 1:1 geklauten, ungemixten Beats unter Komponist einfach den eigenen Namen hinzu zu schreiben?

    Wenige bis keiner. Das tangiert allerdings auch nicht wirklich, denn die Beats sind allesamt großartig gepicked. Von Soulja Boy über Lil Wayne und Eminem, bis sogar zu Katy Perry bringt „Flirt“ auf jeden x-beliebigen Instrumental den New Swag. Dieser New Swag mutiert übrigens sofort zu einem Highlight und bildet mit Dreh den Swag auf, dem Sauflied Trink das und dem grenzgenialen Outro die Speerspitzen von Swagger Rap. „Yeahhh, ich überschwemme den Markt/ fick mit Jenny im Park, du mit Benny und Marc – bitch!“

    „Meine Uhr kostet cirka 10.000/ja das klingt viel und das ist es auch/ zumindest für dich, denn du bist ein Lauch!“ gibt der neue Swaggerking in Ching, Chang, Chung zum Besten und lässt damit viele Fragen offen. Als erstes würde die Hörerschaft natürlich brennend interessieren, woher dieser selbsternannte Geldsack denn die Kohle für Schmuck, Geld, Privatjets her hat. Und überhaupt, wie weit kann man diese zwielichtige Kunstfigur ernst nehmen? Entweder er meint „Swagger Rap“ tatsächlich ernst, oder er ist einfach der beste Komiker der Musikgeschichte.

    Wie auch immer, beide Seiten würden dem Spaß keinen Abbruch geben, dieses Tape ist ein absolutes Highlight und „A Star is Born“ trifft für diese Entwicklung den Nagel auf den Kopf. Die deutschsprachige Rapszene hat nach einer zu langen Durststrecke dringend einen Entertainer wie Money Boy gebraucht, denn egal wie lächerlich es auch klingen mag - Flirt ist mit Herz und Seele dabei und will einfach nur eines: Musik machen. Man sollte ihn nicht daran hindern, Swagger Rap ist jedenfalls schon jetzt einer von ganz wenigen Deutschrap Klassikern, believe the Hype! (no homo)

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