
1. Esqueletos
2. A Chi Sa Dove Sara
3. Dark Horse
4. Un Año De Amor
5. Elder Tree
6. Mexican Wine
7. Misa Gringa
8. Southern Cross
9. San Telmo
10. Dame Fuego
11. Tarantella De La Morte
12. Walk Towards My Love
Wenn Kal Cahoone, bekannt unter anderem durch ihr Mitwirken an "Short Stories" von Lilium, und John Rumley von Slim Cessana's Auto Club ein gemeinsames musikalisches Projekt ins Leben rufen, dann wissen Denver Sound-Aficionados sofort, was sie erwartet, oder? Falsch: "Esqueletos" sticht aus der Gothic Country-Sparte und auch darüberhinaus als erfrischend eklektisches und als Summe seiner Teile bemerkenswert originelles Album heraus. Den größten Anteil daran trägt Chanteuse Kal Cahoone; ihr verführerisch kaputter, rauchiger multilingualer Gesang weckt Assoziationen sowohl zu einer südländischen Version von PJ Harvey als auch einer Bardamenvariante von Siouxsie Sioux und ist der Mittelpunkt der Songs. Die Jahre, die sie in Spanien und Argentinien verbracht hat (und die entsprechenden Sprachstudium-Semester), wirken sich zudem deutlich auf die Instrumentierung aus. Neben dem rockbasierten Country-Sound von SCAC stehen Maultrommeln, verlorene Surfrock-Gitarren, Derwisch-Geigen, Saloon-Klavier, Akkordeon und Banjo, Wildwest-Ästhetik wird umschwirrt von Gypsyfolk und traditionellen italienischen Tänzen, zwischen dunstumgebener Bar-Melancholie um halb vier Uhr morgens und Tango auf dem Friedhof der Verdammten kann alles und muss nichts. Das klingt in der Praxis noch abenteuerlicher als in der Theorie, wenn man sich dann aber in einer schmutzigen kleinen Eckkneipe wähnt, mit dem Kopf auf dem Tresen liegt und aus dem Augenwinkel Kal Cahoone sich auf dem Klavier räkeln sieht, als Statist durch eine Low Budget-Produktion von Quentin Tarantino und David Lynch wandelt und durch die Straßen von Bukarest des 19. Jahrhunderts spaziert - und das natürlich gleichzeitig - , so kommt das einem nicht eine Sekunde lang absurd vor. Dies ist die größte Leistung der Musiker: ihr Stilkonglomerat nach einer eigenen seltsamen Logik funktionieren zu lassen und unwiderstehliche Songs zu schaffen, von denen einen jeder einzelne in der Nacht verfolgt wie ein zwielichtiger Spion. Wer also mitreißende Musik jenseits aller Reinheitsgebote sucht, ist bei Tarantellas Debüt und bisher einzigem Album von 2005 an der richtigen Adresse.


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